Verliebt in A Coruña – Rundreise durch Galicien (1)

Wohin soll es nur gehen? Jedes Jahr die gleiche Frage! Ewigkeiten schoben meine Freundin Aina und ich diese Frage vor uns her – wie eigentlich jedes Jahr. Traumziele gibt es genug. Und trotzdem wurde es plötzlich wieder eng.

Also, wohin sollte es in unserem hart erarbeiteten Urlaub gehen? Kurz entschlossen entschieden wir uns für Spanien. Ein Heimspiel für Aina, die von dort stammt. Aber auch sie kennt längst noch nicht jede Ecke ihres Landes. Schon seit Ewigkeiten wollte sie einmal den äußersten Nordwesten sehen – das raue Galicien. Gut, dann also nach Galicien. Wir planten eine kleine Rundreise: A Coruña, die ‚Todesküste’ entlang nach Padrón, weiter in die Hafenstadt Vigo und ins Inland und dann – als Höhepunkt und Abschluss – in die berühmte Pilgerstadt Santiago de Compostela. Also, ab dafür!

Grün, alles ist Grün!

Was uns in Galicien sofort auffiel, war die unglaubliche Natur! Alles ist Grün und blüht!

Was uns in Galicien sofort auffiel, war die unglaubliche Natur! Alles ist Grün und blüht!

Los ging es im Mai mit ein paar Tagen Familienbesuch auf Mallorca. Von dort aus flogen wir dann nach Santiago. Die Anreise aus Deutschland dürfte Euch vor einige Probleme stellen: Flüge nach Nordspanien sind nämlich überraschend selten und teuer. Von Mallorca aus ist aber alles problemlos zu erreichen und auch noch ziemlich günstig – rund 80 Euro hin und zurück bezahlten wir mit Ryanair pro Person.

Von Mallorca aus flogen wir etwa zweieinhalb Stunden, holten gleich am Flughafen unseren Mietwagen ab und fuhren gut eine Stunde auf dem Landweg nach A Coruña. Schon kurz nachdem wir Santiago verlassen hatten, fiel uns die unglaubliche Landschaft Galiciens auf. Grün, alles ist grün! Was natürlich dem Klima geschuldet ist. Es wird nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt. Und Regen gibt’s immer genug (wir hatten aber wirklich Glück mit dem Wetter).

Der zweite Eindruck: Wer idyllische alte Steindörfer erwartet, wird enttäuscht! Selten haben wir so viel Hässlichkeit in so wenig Zeit gesehen. Überall lieblos zusammengezimmerte Häuser, breite Durchgangsstraßen, kaum Altbau. Dieser Eindruck setzte sich im gesamten nordwestlichen Galicien fort, erst im Süden wurden die Dörfer wirklich viel schöner.

Verliebt in A Coruña

Blick auf A Coruña von der Strandpromenade

Blick auf A Coruña von der Strandpromenade aus

Nach diesem etwas gemischten ersten Eindruck erreichten wir A Coruña, ganz im Nordwesten Galiciens, bei strahlendem Sonnenschein. Schon auf den ersten Blick merkten wir, dass viel in die Entwicklung der 240.000-Einwohner-Stadt investiert wird. Fast der gesamte Küstenbereich unterhalb der Altstadt war eine einzige Baustelle. Dieser Bauboom ist nicht verwunderlich, denn der Provinz A Coruña geht es wirtschaftlich recht gut. Ein Grund dafür ist die Mode: Weltkonzerne wie zum Beispiel Inditex (zu dem z. B. die Modemarke Zara gehört) haben ihren Hauptsitz in A Coruña.

Wir hatten uns ein Hotel direkt im Zentrum ausgesucht – Rechts vom Hotel die Shoppingstraßen, links Kneipen und Restaurants, dabei trotzdem ruhig. Besser geht’s nicht. Das Zimmer selber war jetzt kein Highlight, aber durchaus modern, sauber und geräumig. Für rund 60 Euro pro Übernachtung also absolut super!

Und wir waren ja auch nicht wegen dem Hotelzimmer da. Also Koffer abladen und Stadt erkunden. Und was wir sahen, begeisterte uns. Wir verliebten uns auf den ersten Blick! A Coruña ist schick und mondän, gleichzeitig aber auch unglaublich entspannt. Überall gibt es kleine Restaurants und Kneipen, die Architektur ist toll und das Meer überall.

Tolles Essen, an jeder Ecke!

Ganz besonders großartig sind die vielen Restaurants und Kneipen, die sich zum Beispiel in der Rúa Estrella und der Calle Franja finden. Überall gibt es Fisch und Muscheln – natürlich ‚Pulpo a la Gallega‘ (Kraken nach galicischer Art, quasi das Nationalgericht), aber auch Fleisch und Schinken, lauter Dinge also, für die Galicien berühmt ist. Zurecht!

In A Coruña gibt es Meeresfrüchte an jeder Ecke

In A Coruña gibt es Meeresfrüchte an jeder Ecke

Ich persönlich liebe die langen Messermuscheln (‚navajas‘) und ganz besonders Kammmuscheln (‚zamburiñas‘), die aussehen wie kleine Jakobsmuscheln. Und die gibt es natürlich auch überall, sind sie doch durch den Jakobsweg quasi das Symbol der Region. In A Coruña gab es sie zum Glück an jeder Ecke. Dazu noch einen frischen Weißwein aus der Region, einen Albariño oder ein Estrella Galicia (laut Aina das einzig trinkbare spanische Bier). Mehr braucht man nicht. (Zumal es meistens Häppchen und Tapas zum Getränk gibt und man nie lange hungrig bleibt.)

Ein ganz besonderer Platz und unser heimliches Lieblingsrestaurant wurde die ‚Atorrante Bar‘ in der Calle Franja 31. Der Inhaber – ein Hüne von sicher zwei Metern – ist Barkeeper, Koch und Kellner in einer Person. Als Häppchen zum Wein gibt es frisch gebratene Mini-Hamburger. Das Essen ist frisch, lecker und hausgemacht.

Schön, und richtig schön günstig!

Regelmäßig schockiert waren wir von den Rechnungen. Aina fragte sogar mehrmals nach, ob man sich nicht verrechnet habe. Dann lächelten die Kellner jedes Mal wissend und rechneten ihr geduldig vor, wie diese Rechnung sich zusammensetzte. Ein Frühstück bestehend aus vier Milchkaffees (zugegeben, in A Coruña sind die recht klein) und zwei riesigen Stücken frische, warme und reichhaltige Tortilla (eine Spezialität der Region übrigens) – 7,50 Euro. Da fällt einem nicht viel zu ein.

Besonders gut fürs Frühstück (und sicher auch zu allen anderen Mahlzeiten) ist die Tapas-Bar und das Restaurant ‚Abarrote’ in der Rúa San Andrés 53. Sehr stylish, trotzdem gemütlich und die Theke steht voll mit den tollsten Häppchen und Tapas. Und auch hier sind die Preise mehr als fair!

Was noch?!

Zugegeben, ich esse wirklich gerne. Insofern drehte sich in Galicien für mich alles ums Essen. Aber ein wenig sehen wollte ich natürlich auch.

A Coruña und seinen Glasfassaden

A Coruña und seinen Glasfassaden entlang der Avenida da Marina

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in dieser Ecke der Welt sind die aufwendigen Glasfassaden der Häuser. Ganz besonders beeindruckend ist die Avenida da Marina, die entlang des Hafens verläuft. Der Anblick ist überwältigend und spätestens hier begreift man, wieso A Coruña auch Glasstadt genannt wird.

Blick auf das Rathaus

Blick auf das Rathaus an der Plaza de Maria Pita

Schaut Euch auch unbedingt die Altstadt mit ihren verwinkelten engen Gassen an. Sie ist wirklich schön saniert und wunderbar ruhig. Lebendiger geht es im Zentrum zu, dort finden sich die Shoppingstraßen und einige tolle Jugendstil-Gebäude (natürlich auch mit Glasfassaden). Besonders schön ist auch die ‚Plaza de Maria Pita’ mit dem Rathaus. Das Gebäude ist riesig und strahlt mit seinen rot glänzenden Kuppeln einen ganz eigenen Charme aus. Außerdem solltet Ihr euch natürlich die Stadtstrände ‚Riazor’ und ‚Orzán‘ nicht entgehen lassen. Auch wenn das Wetter nur selten zum Baden einlädt, ist der Anblick doch wunderschön. Und dann gibt es natürlich noch das Wahrzeichen der Stadt den Herkulesturm (‚Torre de Hércules’), den weltweit ältesten, noch in Betrieb befindlichen Leuchtturm, von den Römern im zweiten Jahrhundert gebaut.

A Coruña bietet auch zwei wunderschöne Stadtstrände

A Coruña bietet auch zwei wunderschöne Stadtstrände

Am Wichtigsten ist jedoch, dass Ihr euch Zeit lasst für A Coruña! Schlendert durch die kleinen Gassen und lasst das Leben in dieser zauberhaften Stadt einfach auf Euch wirken.
Genießt das Essen und ein kühles Glas Wein oder Bier, die tolle Mode und vor allem die Atmosphäre. Aina und ich können Euch die Stadt nur empfehlen!

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